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Port of Tallinn - Automatisches Verkehrsmanagement im Hafen

09.10.2017

Der alte Stadthafen von Tallinn ist einer der geschäftigsten Häfen der Ostsee. Um das stetig wachsende Verkehrsaufkommen auch zukünftig zu kontrollieren und den Komfort der Reisenden zu steigern, hat der Hafenbetreiber Port of Tallinn ein automatisches Verkehrsmanagementsystem entwickeln lassen.

 

 

Millionen von Passagiere im Stadtzentrum

Die Statistiken zum Verkehr im Hafen von Tallinn für 2016 sind beeindruckend: Neben mehr als 10 Millionen Passagieren und über 20 Millionen Tonnen Fracht bewältigte der Ostseehafen gut 5.500 Fahrgastschiffe sowie knapp 300 Kreuzfahrtschiffe.

Doch der Hafen steht vor diversen Herausforderungen: Er liegt in direkter Nähe zur historischen Altstadt von Tallinn und hat mit beengten Platzverhältnissen zu kämpfen. Die Zahl der Passagiere steigt stetig und die Reisenden nehmen immer häufiger ihr Auto mit auf die Fahrt. Auch der Frachtverkehr per Lkw benötigt viel Platz. Deshalb weisen die immer größer werdenden Schiffe in ihrem Innern riesige Fahrzeugstellflächen auf: Je nach Typ verfügen die Schiffe über hohe befahrbare Decks für Lkw sowie diverse niedrige und mittelhohe Decks für Pkw, Wohnmobile und Autos mit Dachlasten. Wichtig ist, dass alle Fahrzeuge schnell und in der richtigen Reihenfolge an den jeweils richtigen Ort auf dem Schiff gelangen.

Die vier operierenden Reedereien betrieben bisher eigene Check-in-Schalter am Hafen. Aufgrund begrenzter Raum- und Personalkapazitäten besaß jede Reederei nur wenige Schalter, was häufig zu langen Wartezeiten beim Einchecken führte. Nach dem Check-in wurden die Fahrzeuge je nach Kategorie in verschiedene Warteschlangen eingewiesen, die zum entsprechenden Deck an Schiff führten. Zahlreiche Mitarbeitende in gelben Overalls sorgten dafür, dass bei der Einweisung alles korrekt verlief und die Fahrzeuge ordnungsgemäß an Deck geparkt wurden.

 

Ein einzigartiges Verkehrsmanagementsystem

Im „Smart Port Project“ des alten Stadthafens von Tallinn schlossen sich schließlich verschiedene Partner zusammen, um ein effizientes Verkehrsmanagementsystem zu entwickeln. Die in Tallinn beheimatete Hansab Group war zuständig für alle Belange im Deckbereich, die Fahrzeugidentifikation, das Leitsystem und die entsprechenden Sperren und Schranken für das Verkehrsmanagement. SICK lieferte ein integriertes laserscannerbasiertes Messsystem mit 2D-Lidar-Sensoren: Der Free Flow Profiler erfasst zuverlässig Höhe, Breite und Länge von Fahrzeugen.

 

 

„Mit dem Verkehrsmanagementsystem erfassen wir die Daten der Fahrzeuge, die in den Hafen einfahren, und übermitteln sie zur Weiterverarbeitung an das System des Hafens“, erklärt Priit Ivanov, Innovation Manager bei Hansab. „Dieses übergeordnete System entscheidet über die Einstufung der einzelnen Fahrzeuge und sendet die Daten an uns zurück. Daraufhin werden auf den Schildern unseres Leitsystems Anweisungen für die entsprechenden Fahrzeuge angezeigt und die Schranken zu den richtigen Wartezonen geöffnet. Bis die Anweisungen für die Fahrzeuge auf den Schildern erscheinen, vergeht nicht einmal eine Sekunde.“

 

Verkehrsfluss deutlich beschleunigt

Mit der Einführung des neuen Verkehrsmanagementsystems wurden die Check-in-Vorgänge weitestgehend automatisiert und die Schalter werden nun von den Reedereien gemeinsam genutzt. Außerdem wurde die Möglichkeit eines Online-Check-in eingeführt.

 

 

Die Nummernschilder der ankommenden Fahrzeuge werden im Hafen per Kamera erfasst und die Höhe, Breite und Länge dieser Fahrzeuge mit dem laserscannerbasierten System von SICK gemessen. Die präzise Vermessung der Fahrzeuge stellt sicher, dass jeder Wagen entsprechend den Deckflächen des betreffenden Schiffes in die richtige Warteschlange eingewiesen wird. Darüber hinaus kann auf Grundlage der Fahrzeugdaten im Voraus berechnet werden, wie die Auslastung der einzelnen Spuren in der Wartezone ausfallen wird. Mit der Nummernschilderkennung wird gewährleistet, dass sich die Fahrzeuge auch wirklich am richtigen Ort befinden, und die eindeutige Beschilderung reduziert das Fehlerrisiko.

Lkws nutzen ihre eigene Spur und werden dort ebenfalls gewogen und überprüft. Wenn der Fahrzeugführer den Check-in im Voraus über das Internet erledigt hat und das Nummernschild sowie die Abmessungen beim Eintreffen im Hafen mit den bereits vorliegenden Daten übereinstimmen, wird das Fahrzeug über die Schnellspur direkt in die Wartezone geleitet. Ist dies nicht der Fall, muss der Fahrzeugführer wie bisher einen Check-in-Schalter anfahren, doch auch dort geht es nun schneller.

 

 

„Weil der Check-in bereits im Voraus erledigt werden kann bzw. bis zu acht Check-in-Schalter gleichzeitig zur Verfügung stehen, verläuft der ganze Prozess inzwischen deutlich zügiger“, erklärt Hele-Mai Metsal, Leiterin des Infrastructure Development Department bei Port of Tallinn. „Wenn nicht alle Schalter benötigt werden, können die dazugehörigen Spuren als Schnellspuren genutzt werden, auf denen dann die Nummernschilderkennung zum Einsatz kommt. Ganz wesentlich für einen beschleunigten Check-in ist in jedem Fall der schnelle und effiziente Informationsaustausch beim Vergleich der Buchungsdaten mit den tatsächlichen Daten und bei der Übermittlung des Ergebnisses an die Check-in-Schalter." Das Resultat ist, dass die Passagiere und Fahrzeuge nicht mehr so früh im Hafen sein müssen und die Wartezeiten sich verkürzt haben. Und für den Hafen bedeutet es eine wirtschaftlichere Nutzung der Deckflächen und Check-in-Schalter sowie eine schnellere Beladung der Schiffe. Das System trägt dazu bei, dass die Fahrzeuge im Hafen so gruppiert werden, dass sie bereits in der richtigen Reihenfolge für die Beladung stehen. Das spart natürlich Zeit. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, die Auslastung der Schiffe zu optimieren. Die Fahrzeuge müssen also nicht mehr so lange warten und stoßen weniger umweltbelastende Abgase aus.

SICK Sensor Blog
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Martin Klingele 

Head of Business Unit Distance & Ranging

Martin Klingele ist seit 2009 Leiter des Bereichs Distance & Ranging und absoluter Experte auf seinem Gebiet. Mit seinem Team sorgt er für zukunftsorientierte Lösungen zur Messung, Positionierung, Erfassung, Inspektion und Qualitätskontrolle. Der studierte Elektrotechniker war bereits als Applikationsingenieur und Produktmanager bei SICK tätig und ist seit über 20 Jahren im Unternehmen.

 

 

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