Digitale und automatisierte Prozessoptimierungen gewinnen in der Logistik rasant an Bedeutung. Das Karlsruher Tech-Start-up enabl zeigt gemeinsam mit SICK, wie sich drängende Herausforderungen der Branche – Fachkräftemangel, Kostendruck und steigende Sicherheitsanforderungen – clever lösen lassen.
Remote-Materialhandling in der Logistik neu gedacht
Innovation trifft Sicherheit
Die enabl Technologies GmbH setzt auf ein technisch sehr hochwertig umgesetztes Teleoperationssystem, mit dem automatisierte Gabelstapler auch in anspruchsvollen Szenarien wie der Lkw-Entladung, in Warenhäusern oder bei verketteten Lagerstrukturen zuverlässig und sicher zum Einsatz kommen. Eine länderübergreifende Fernsteuerung via Internet in Kombination mit KI-gestützter Automatisierungssoftware bietet nicht nur maximale Effizienz, sondern auch einen vielversprechenden Lösungsansatz für den zunehmenden Fachkräftemangel.
Neuartig im Umfeld der Automatisierung ist darüber hinaus das enabl-Geschäftsmodell „Materialhandling-as-a-Service“. Über eine Plattform werden Transportaufträge von Kunden in Warenhäusern, die mit Staplern von enabl arbeiten, den Remotefahrern flexibel und bedarfsgerecht zugewiesen. Inkludiert ist ein Pay-per-Use- Abrechnungssystem, das bei schwankenden Auftragslagen für spürbare Kosteneffizienz sorgt. Mit diesen Konzepten macht sich enabl auf den Weg, der Logistikbranche entscheidende Impulse zu geben.
Disruption trifft Expertise
Von Anfang an hat enabl bei der notwendigen Safety-Sensorik für die Stapler auf die Expertise von SICK gesetzt, wie Johannes Schantz, CTO bei enabl, erläutert: „SICK definiert eben den Standard in der Branche, deshalb haben wir uns schon sehr früh in der Entwicklung mit den Experten von SICK zusammengesetzt, um das beste Sensorikpaket für unser System gemeinsam zu schnüren. Dabei profitierten wir nicht nur von deren Kompetenz und Erfahrung, sondern auch von dem umfassenden Produkt- und Serviceangebot aus einer Hand.“
Marcus Ichters, Key Account Manager Mobile Plattforms bei SICK, erinnert sich gut an die ersten Kontakte in einem damals noch recht kleinen Besprechungsraum unterm Dach am ersten Standort von enabl: „Dort diskutierten wir intensiv über das beste Set-up für ein überzeugendes Safety-Konzept – für enabl waren unsere Sicherheitslaserscanner microScan3 und nanoScan3 bereits gesetzt, aber die geschickte Platzierung am Fahrzeug und die passende Kombination mit weiterer Sensorik waren Teil einer kooperativen Entwicklungsarbeit.
Ein Sensorpaket, das es in sich hat
Das innovative Remote-Staplersystem von enabl ist bereits bei führenden Logistikunternehmen wie DB-Schenker erfolgreich im Einsatz. Es deckt zahlreiche Einsatzmöglichkeiten ab – von der Lkw-Be- und Entladung über das Fahren auf der Fläche bis hin zur präzisen Einlagerung in Regalen.
Herzstück ist die Kombination aus SICK-Sensorik, die für ein vollständig abgesichertes Staplersystem sorgt. Drei Sicherheitslaserscanner übernehmen dabei die zentralen Sicherheitsfunktionen: sichere Personen- und Objekterkennung sowie Navigationsunterstützung für die Remote-Fahrer. In Gefahrensituation hat die Sensorik immer „das letzte Wort“ – sie drosseln die Geschwindigkeit und leiten einen sicheren Stopp ein.
Die beiden kompakten nanoScan3 Sicherheitslaserscanner überwachen die seitlichen Fahrzeugflanken nach vorne. Ergänzt werden sie durch den microScan3, der den rückwärtigen Bereich des Fahrzeugs absichert. Für millimetergenaue Positionierung beim Handling von Ladungsträgern sorgt ein Distanzsensor, während Induktivsensoren die Gabelsteuerung überwachen. Bei hohen Hubhöhen kommt zusätzlich der TiM310 zum Einsatz, um den Bereich unterhalb der Gabel abzusichern. In Regalstrukturen übernimmt der picoScan150 die vertikale Seitenabsicherung. Das Ergebnis: Höchste Sicherheit und Präzision für effiziente Remote-Operationen – selbst in komplexen Logistikumgebungen.
Es matcht auch in punkto Agilität
In der Rückschau auf die Entwicklungszeit und die Implementierung dieses umfassenden Sensorikpakets zollt das agile, junge Tech-Start-up hinsichtlich der Reaktionszeiten dem erfahrenen Weltmarktführer seine Anerkennung: „Der schnelle Roll-out, die gute Bauteilverfügbarkeit und der unkomplizierte Support bei SICK matchen gut mit unserem Start-up-Mindset. So können wir als Partner in extrem kurzer Zeit für unsere Kunden überzeugende Lösungen erarbeiten“, ist Johannes Schantz überzeugt.
Das ausgeklügelte Sensorsystem ermöglicht auch ein sicheres (teil-)automatisiertes Fahren der Gabelstapler, z. B. beim Zurücklegen von Fahrwegen zwischen einem auszuladenen Lkw über Ladezonen bis hin zu Hochregallagern. Auch in diesem Zusammenhang betont Johannes Schantz die partnerschaftliche Unterstützung und Begleitung durch SICK: „Wir bekommen ganz unkompliziert Testsamples, diskutieren Ergebnisse und wissen, dass wir in der fortlaufenden Weiterentwicklung unserer Systeme einen kompetenten, erfahrenen Partner an unserer Seite haben.“
Denn das Start-up hat ambitionierte Ziele für die weitere Entwicklung seines Geschäftsmodells und sieht als einen der Haupttreiber für Veränderungen in der Logistikwelt den sich immer stärker zuspitzenden Fachkräftemangel und den hohen Kostendruck. Hierbei setzt enabl mit „Materialhandling-as-a-Service“ auf neue Abrechnungsmodelle, die Investitionen in industrielle Fahrzeuge auf nutzenbasierte Modelle umstellen. Die Kombination von Teleoperation und Automatisierung ermöglicht durch die Aufwertung des Berufsbilds „Staplerfahrer“ einen völlig neuen Aspekt: Ihre Remote-Staplerfahrer arbeiten in sicherer Umgebung in Driving Centern und können unabhängiger von lokalen Arbeitsplätzen rekrutiert werden. So könnte der Beruf attraktiver gemacht und die weitere Verschärfung des Personalmangels gestoppt werden. Das hat durchaus Dringlichkeit, denn die Prognosen für den Staplermarkt gehen bis 2030 von einer Verdoppelung bis Verdreifachung des Absatzes aus, während die Verfügbarkeit von Fahrern kontinuierlich abnimmt. Dieses Dilemma fordert den Markt heraus, Innovationskräfte zu bündeln und auf allen Ebenen partnerschaftlich zu handeln.
