Robotik trifft auf Baustellenalltag

16.03.2026

Wie der ConBotics-MalerRoboter sichere und planbare Arbeitsabläufe ermöglicht

Im Handwerk treffen volle Auftragsbücher auf knappe Teams. Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf Automatisierung nicht als „nice to have“, sondern als reale Option, um wiederkehrende und körperlich belastende Arbeiten zuverlässiger planbar zu machen. Genau hier setzt ConBotics im Malerhandwerk an: Das Team um CEO und Co-Founder Cristian Amaya Gómez entwickelt einen autonomen, mobilen Malerroboter, der großflächiges Airless-Spritzen reproduzierbar und zuverlässig automatisiert. Der Anspruch dahinter: einen Arbeitsprozess so stabil und vorhersehbar zu gestalten, dass Betriebe im Baustellenalltag wieder verlässlich planen können.

 

 

Von Anfang an war klar: Entscheidend ist nicht nur die Beschichtungsleistung, sondern auch, ob der Roboter im realen Baustellenumfeld zuverlässig funktioniert. Denn der Malerroboter ist nur dann wirklich nutzbar, wenn er in diesen Situationen sicher und vorhersehbar agiert und dabei den Prozessfluss und die Oberflächenqualität gleichermaßen gewährleistet.

 

Sicherheit als Voraussetzung für Produktreife

Aus ihrer gemeinsamen Zeit am Fraunhofer IPK brachte das Gründerteam von ConBotics umfangreiche Erfahrung in der Robotik mit. Daher entwickelten sie in kurzer Zeit eine tragfähige Lösung für den MalerRoboter mit Bewegungsführung, Prozesslogik und reproduzierbarer Bahnplanung. Doch je näher das System an den Baustellenalltag rückte, desto klarer wurde, woran viele autonome Maschinen scheitern – nicht an der Grundfunktion, sondern an der Produktreife. Es reicht nicht, dass ein Roboter im Labor sauber fährt. Er muss im Feld kontrolliert reagieren, wenn Personen in den Arbeitsbereich treten oder plötzlich Objekte im Weg stehen. Er muss so arbeiten, dass weder die Beschichtungsqualität noch die Akzeptanz beim Benutzer leidet. 

Für Cristian Amaya war daher früh klar, dass Sicherheit nicht als nachträglicher Zusatz funktionieren kann, sondern von Beginn an mitgedacht werden muss. Da das Entwicklungsteam klein war, wollte ConBotics die eigenen Ressourcen nicht in den Aufbau einer Safety-Grundarchitektur samt Nachweisführung stecken, sondern in die Bereiche investieren, die das Produkt wirklich differenzieren: Robotik und Prozessautomatisierung. Gesucht war daher eine Sicherheitsbasis, die wirtschaftlich attraktiv ist, zuverlässig funktioniert und sich so integrieren lässt, dass sie die Entwicklung nicht ausbremst, sondern beschleunigt.

 

A clear division of labor on the construction site: the robot ensures consistent, reproducible surface performance, while people focus on the detail work.
Arbeitsteilung auf der Baustelle: Der Roboter liefert reproduzierbare Flächenleistung, der Mensch macht die Detailarbeit.
A clear division of labor on the construction site: the robot ensures consistent, reproducible surface performance, while people focus on the detail work.
Arbeitsteilung auf der Baustelle: Der Roboter liefert reproduzierbare Flächenleistung, der Mensch macht die Detailarbeit.

Wirtschaftliche Safety Architektur mit Flexi Net

Mit der Sicherheitssteuerung Flexi Net von SICK fand ConBotics für den autonom arbeitenden MalerRoboter genau diese Grundlage. Die Flexi Net Steuerungsarchitektur nutzt die bereits vorhandenen Antriebsdaten optimal, liest die CANopen Daten des Fahrwerks aus und kombiniert sie mit kostengünstigen HTL Encodern. In den zertifizierten Motion Funktionsbausteinen werden diese Informationen zu sicheren Geschwindigkeits  und Positionswerten verarbeitet.

Dieses enge Zusammenspiel aus vorhandener Antriebstechnik und intelligenter Auswertung reduziert Hardware  und Verkabelungsaufwand erheblich und schafft eine schlanke, kosteneffiziente Sicherheitsarchitektur. So fügt sich Flexi Net nahtlos in das Robotersystem ein und stellt sicher, dass Bewegungsqualität und funktionale Sicherheit perfekt harmonieren.

 

Konsistente Integration mit EFI-pro 

Auf Basis von Flexi Net konnte ConBotics das System gezielt erweitern, ohne bei jeder neuen Anforderung die Integration neu aufzusetzen. Denn SICK bietet eine breite Auswahl an Sensoren für unterschiedliche Aufgaben, die sich strukturiert in eine Safety-Architektur einbinden lassen. Über EFI-pro, das sichere Geräte- und Steuerungsnetz von SICK, kommunizieren Sensoren und Sicherheitslogik in einem konsistenten Rahmen. Für ein Entwicklungsteam ist das ein praktischer Vorteil: weniger Schnittstellenvarianten, weniger Speziallösungen, weniger Aufwand bei Inbetriebnahme und Diagnose und damit ein schnellerer Weg zu stabilen Releases.

Im ConBotics MalerRoboter zeigt sich dieser Ansatz konkret: Der Inkremental-Encoder DFS60B liefert präzise Bewegungsdaten für eine saubere Bahnführung: Die optische Objekt- und Maskierungserkennung WTT12-S erkennt Kanten an Treppen und Öffnungen und ermöglicht so eine zuverlässige Absturzsicherung. 

 
Edge protection at stairways: the WTT12-S detects edges and transitions, enabling the painting robot to restrict its travel in good time.
Absturzsicherung an der Treppenkante: Die WTT12-S erkennt Kanten und Übergänge, sodass der MalerRoboter seine Fahrt rechtzeitig begrenzt.
Edge protection at stairways: the WTT12-S detects edges and transitions, enabling the painting robot to restrict its travel in good time.
Absturzsicherung an der Treppenkante: Die WTT12-S erkennt Kanten und Übergänge, sodass der MalerRoboter seine Fahrt rechtzeitig begrenzt.

 

Die Mechaniküberwachung IQB2S prüft Verriegelungszustände, etwa die korrekte Arretierung der Spritzpistole. Und für die Umfeldabsicherung kommen Sicherheitslaserscanner der nanoScan3-Familie zum Einsatz, die Personen und Objekte erkennen und Kollisionen – etwa mit Leitern oder Farbeimern – verhindern.

 

Inkremental-Encoder
Hochauflösender, programmierbarer Inkremental-Encoder für anspruchsvolle Applikationen
DFS60
Sichere Distanzsensoren
Sicherheitssensor für Muting und Absturzkantenerkennung bis SIL 1 und PL c
WTT12-S
Sicherheitslaserscanner
Der kleinste Sicherheitslaserscanner von SICK – extrem robust und hochpräzise
nanoScan3
Sicherheitsschalter
Kleiner, quaderförmiger induktiver Sicherheitsschalter zur Positionsüberwachung
IQB2S
Sicherheitssteuerungen
Sicherheitssteuerung für stationäre und mobile Maschinenarchitekturen
Flexi Net
Thanks to the nanoScan3, the painting robot detects obstacles at an early stage. The status display on the tablet makes it easier for the operator to interact with the robot.
Dank nanoScan3 erkennt der MalerRoboter Hindernisse frühzeitig. Die Statusanzeige auf dem Tablet erleichtert die Interaktion des Anwenders mit dem Roboter.
Thanks to the nanoScan3, the painting robot detects obstacles at an early stage. The status display on the tablet makes it easier for the operator to interact with the robot.
Dank nanoScan3 erkennt der MalerRoboter Hindernisse frühzeitig. Die Statusanzeige auf dem Tablet erleichtert die Interaktion des Anwenders mit dem Roboter.

Zertifizierte Safety-Bausteine für planbare Zulassung

Je näher ein System an die Praxis rückt, desto stärker wirkt der Zulassungsprozess als Kosten- und Zeitfaktor. Für ConBotics war deshalb nicht nur wichtig, dass die Sicherheitsfunktionen technisch funktionieren, sondern dass sie sich mit vertretbarem Aufwand zertifizieren lassen. Hier bietet SICK einen zentralen Vorteil: Safety-zertifizierte Komponenten, geprüfte Funktionsbausteine und eine verfügbare Dokumentationsbasis reduzieren den Umfang in der Nachweisführung. ConBotics konnte sich stärker auf die applikationsspezifische Integration konzentrieren, statt jede Sicherheitsfunktion von Grund auf selbst zu begründen und zu dokumentieren.

Das spart nicht nur Zeit, sondern senkt auch Projektrisiken. Wenn die Dokumentationsbasis stabil ist, lässt sich der Übergang von Pilot zu Vorserie deutlich planbarer gestalten, ein Aspekt, der gerade bei neuen Robotiksystemen oft über den Markteintritt entscheidet.

 

Technische Unterstützung in der Integration

Dass sich diese Vorteile in der Praxis realisieren ließen, lag aus Sicht von ConBotics nicht allein an den Produkten, sondern an der technischen Zusammenarbeit. SICK trat nicht als reiner Lieferant auf, sondern unterstützte die Implementierung mit Testsätzen, erprobten Vorgehensweisen und Engineering-Support bis in die Inbetriebnahme. Für ConBotics bedeutete das: weniger Trial-and-Error, schnellere Verifikation unter realen Bedingungen und ein Integrationsprozess, der nicht bei Spezifikationen endet, sondern bei einem stabil laufenden System.

Für Cristian Amaya war genau diese Kombination entscheidend: eine breite Auswahl bewährter Sicherheitskomponenten, ein klarer Integrationspfad über EFI-pro und eine Form der Unterstützung, die das Team in kritischen Phasen entlastet, ohne die eigene Produktverantwortung aus der Hand zu nehmen.

 

Robotik und integrierte Safety im Zusammenspiel

ConBotics kann sich mit dieser Partnerschaft auf das konzentrieren, was den eigentlichen Kundennutzen ausmacht: eine Robotiklösung zur effizienten Automatisierung im Malerhandwerk. Mit Flexi Net verfügt das Team über eine wirtschaftlich integrierte Safety-Architektur, die den autonomen Betrieb auf Baustellen ermöglicht. Das breite SICK-Portfolio lässt sich über EFI-pro strukturiert und flexibel erweitern, ohne die Systemarchitektur aufzubrechen, und die Safety-zertifizierten Komponenten reduzieren den Aufwand in der Nachweisführung. Zusammen mit der technischen Unterstützung entstand so ein System, das den Praxistest bereits erfolgreich bestanden hat und heute Betrieben hilft, trotz knapper Personalressourcen planbar zu arbeiten.

 

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