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Kontinuität und Innovation die richtige Mischung macht den Erfolg aus

Am 30. September 2006 – dem Tag des 60. Firmenjubiläums – hatte die Sprecherin des Vorstandes der SICK AG, Anne-Kathrin Deutrich, ihren letzten Arbeitstag. Im Gespräch mit SICK insight ließ sie Revue passieren, wie aus dem Schwarzwälder Mittelständler der Global Player der Sensortechnik geworden ist.

SICK insight:
Wie haben Sie SICK erlebt, als Sie Anfang 1992 begonnen haben?
Anne-Kathrin Deutrich: Ich bin damals als Nachfolgerin des kaufmännischen Leiters in einer spannenden Zeit zu SICK gekommen. Der damalige Geschäftsführer und spätere Vorstand Volker Reiche hatte eine neue strategische Ausrichtung angestoßen, die aus dem Familienbetrieb Erwin Sick GmbH ein Unternehmen mit professionellen internen und externen Strukturen machen sollte. „Überall besser werden“ war das Ziel – es ging vor allem um mehr Marktanteile in den Kernbranchen, den Zugang zu neuen Anwendungsfeldern, mehr Kundennähe und darum, innovativer zu sein als der Wettbewerb.

SICK insight: Mit welchen Maßnahmen hat sich SICK damals neu ausgerichtet?

Anne-Kathrin Deutrich: Wir haben die Bedeutung von Forschung und Entwicklung sowie die Schaffung einer markt- und kundenfokussierten Unternehmens- organisation als langfristige Erfolgsfaktoren identifiziert. Konsequenterweise wurden die Etats für F&E deutlich angehoben. Das war zwar in Zeiten der 93er-Rezession kein einfacher Schritt – hat uns aber rückblickend die technologische Basis für den späteren Erfolg geschaffen. Der Sicherheits-Laserscanner PLS sei nur als eines von vielen Beispielen genannt. Gleichzeitig haben wir unserer neuen Art der Kundenfokussierung in den Geschäftsbereichen Automatisierungs-, Sicherheits-, Umwelt- und Identifikationstechnik Ausdruck gegeben. Dadurch konnten wir Anwenderwünsche besser umsetzen und auch die Eigenarten des jeweiligen Geschäftes – kurzfristiges Komponentengeschäft hier, langfristiges Projektgeschäft da – besser berücksichtigen. Weitere Eckpunkte waren die Einführung eines umfassenden Controllings zur Steuerung von Prozessen und Bewertung von Ergebnissen, der Aufbau neuer Arbeitsabläufe sowie die Qualifizierung unserer Mitarbeiter.

SICK insight: Welche Bedeutung hatten das internationale Geschäft und das Thema Akquisitionen für die Entwicklung des Unternehmens?

Anne-Kathrin Deutrich: Ohne die damals eingeleitete Internationalisierung wären wir heute sicher nicht der Global Player der Sensortechnik. Wir sind in den Weltmärkten Europa, Amerika, Asien mit über 40 Tochtergesellschaften oder Beteiligungen in mehr als 40 Ländern vertreten. Ende der 90er Jahre ist SICK dann auch mit Akquisitionen tätig geworden. Neben dem Zukauf von Märkten lag unser Augenmerk besonders auf der sinnvollen Arrondierung mit Technologien, die uns in unseren Kerngeschäftsfeldern weiterbringen. Auch dies zahlt sich heute aus – denken Sie beispielsweise an die Rotativ-Sensorik von SICK STEGMANN, die Lasertechnologie von SICK IBEO, die extraktive Gasanalyse von MAIHAK oder das Kamera-Know-how von SICK IVP. Möglich waren die Erfolge deshalb, weil wir unserem Credo des langfristigen Denkens treu geblieben sind, d. h. nicht den schnellen, sondern den substanziellen Return on Investment im Blick haben.

SICK insight: Sie sprachen von Technologie. Technologien hängen immer auch mit den richtigen Technologen, sprich Mitarbeitern, zusammen. Was macht SICK für qualifizierte Mitarbeiter interessant?

Anne-Kathrin Deutrich: Die Verbesserung der Personalarbeit war eines der wichtigsten Werkzeuge der Neuausrichtung von SICK und ist es immer noch.
Wir setzen zum einen auf die permanente Qualifizierung unserer Mitarbeiter, gleichzeitig aber auch auf neue Kolleginnen und Kollegen, die neue Themen und Technologien in das Unternehmen tragen.Solche Leute zu bekommen ist heute leichter als noch vor zehn Jahren. Dies liegt zum einen an den attraktiven, modernen Arbeitsplätzen, die SICK bietet – Sie sehen ja die vielen Neubauten der letzten Jahre. Wir können stolz sein auf unsere zeitgemäße Führungskultur, die Mitarbeiter fordert, aber auch fördert. Hinzu kommt eine gewandelte Einstellung zur Lebensqualität, die vielen Bewerbern und ihren Familien die Region Freiburg lebenswerter erscheinen lässt als manch urbanes Ballungszentrum ohne Freizeitwert. Zudem forcieren wir familienunterstützende Projekte im Unternehmen und in der Region, z.B. das Kinderhaus oder die nachmittägliche Hausaufgabenbetreuung für Kinder unserer Mitarbeiter. Schließlich ist SICK als Aktiengesellschaft auch ein offenes, positiv bekanntes Unternehmen geworden, dessen solider und innovativer Ruf für manch einen neuen Mitarbeiter eine wichtige Entscheidungshilfe darstellt – übrigens auch für viele Kunden. Wenn man zurückblickt, bleibt festzustellen, dass wir es geschafft haben, den vermeintlichen Standortnachteil in einen tatsächlichen Standortvorteil umzumünzen.

SICK insight: Wo liegen die Herausforderungen der Zukunft für SICK, und wie heißt das künftige Erfolgsrezept?

Anne-Kathrin Deutrich: Die Herausforderungen sind vielseitig und wir stellen uns ihnen bereits. Beispiel Komplettlösungen. Der Trend geht eindeutig weg vom Komponentengeschäft. Das wird es zwar immer geben, aber die immer komplexeren Anforderungen von OEM und Endkunden erfordern intelligente Komplettlösungen aus Sensorik, Steuerungstechnik und Service. Hier ist SICK dank der internen Strukturen, der Technologiekompetenz und der weltweiten Präsenz schon heute sehr gut aufgestellt, wie z.B. das Branchenmanagement Automotive zeigt. Der Wettbewerb wird – besonders international – weiter an Schärfe zunehmen. Wir beobachten dies, stellen dabei aber auch fest, dass wir mit der Umsetzung unseres Leitbildes „Independence, Innovation, Leadership“ die Wettbewerbsprozesse maßgeblich mitgestalten können. Der Technologiewandel vollzieht sich in immer kürzeren Zyklen, d.h.die Bedeutung, die wir F&E beimessen – auch in Prozent vom Umsatz – wird weiter zunehmen, zumal die Sensor-, Steuerungs- und Servicetechnik immer softwarelastiger wird. Den Herausforderungen mit neuen Lösungen zu begegnen wird somit ein wichtiger Teil des Erfolgsrezeptes der Zukunft sein. Der andere – da bin ich mir ganz sicher – ist die Bewahrung unserer technologischen Spitzenstellung. Es wird auf die passende Mischung aus Bewährtem und Innovativem ankommen.

SICK insight: Frau Deutrich, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen alles Gute!
 
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