Industrieunternehmen bewegen sich heute in einem globalen Umfeld: Produktionsstandorte werden weltweit verlegt, Maschinen und Anlagen werden in verschiedene Regionen weltweit exportiert. Die Einhaltung von Normen und Standards ist daher ebenso ein kritischer Erfolgsfaktor für weltweit tätige Hersteller wie die sicherheitstechnische Konzeption ihrer Maschinen und Anlagen selbst. Die Produktionsanlagen werden immer komplexer, die Taktraten steigen, die Funktionalitäten von Maschinen werden anspruchsvoller. Hieraus ergeben sich seitens der Maschinenhersteller und der Betreiber Forderungen nach mehr Effizienz bzw. Produktionsunterstützung und möglichst einfacher Bedienbarkeit.
Normen-Entwicklung: "Kochrezepte" weichen Eigenkreationen Was für Konstrukteure die Aufgabe erschwert, sowohl den Aspekten der Normung als denen der Maschinentechnik gerecht zu werden, ist die Tatsache, dass sich beide Bereiche gegenseitig beeinflussen. Neue Sensorlösungen – insbesondere bei berührungslos wirkenden Schutzeinrichtungen - und neue Steuerungskonzepte ermöglichen neue Konzeptionen bei Maschinen und Anlagen, die sowohl deren Leistung und Verfügbarkeit als auch deren Bedienergonomie deutlich verbessern. Dementsprechend folgen die Normungsprozesse den immer kürzer werdenden Produktentwicklungszyklen. Der Trend geht dabei hin zu Systemnormen, die Lösungen weniger in Form von "Kochrezepten" bieten, sondern die Vereinbarung von bestimmten Schutzzielen bezwecken. Für den Konstrukteur heißt das: An die Stelle von konkreten Lösungen tritt die Herausforderung, aber auch die Chance, auf neue Technologien und Trends flexibel zu reagieren. Für Sicherheitsspezialisten wie SICK bedeutet dies, den steigenden Informationsbedarf in Konstruktionsabteilungen partnerschaftlich, kompetent und umfassend zu bedienen, wie z.B. im Rahmen der EN ISO 13849-1 beim Pressenhersteller Schuler in Göppingen.
Schuler: Normen-Update bei den Konstrukteuren vor Ort Um die Chancen, die die neue Normenlage ab 2010 bieten wird, schon frühzeitig zu erkennen und im “doppelten Sinne” konstruktiv umzusetzen, hat sich die Schuler-Gruppe mit Hauptsitz in Göppingen, einer der weltweit größten Pressenhersteller, für einen pragmatischen Weg entschieden. Zusammen mit den Sicherheitsexperten von SICK wurde zunächst in den einzelnen Konzernstandorten ein kompaktes Trainingsprogramm durchgeführt. Anhand von spezifischen Pressenapplikationen und ihrem sicherheitstechnischen Abgleich mit den Inhalten der EN ISO 13849-1 konnte so im Rahmen von mehreren Workshops gemeinsam ein praxisnaher Einstieg in die komplexe Thematik von "Performance Level & Co." erreicht werden. Die Konstrukteure aus den unterschiedlichen Fachabteilungen untersuchten gemeinsam mit den SICK-Experten, welche Einflüsse sich auf die verschiedenen Sicherheitsfunktionen wie Stößelverriegelung, Greiferschienenabsicherung oder aber auch "Geschwindigkeitsüberwachung im Einrichtbetrieb" ergeben. Hinsichtlich des zeitlichen Aufwandes, der mit der neuen Norm verbunden ist, zeigte sich ein differenziertes Bild: Während insbesondere bei Verwendung bereits "vorzertifizierter" Sicherheitsblöcke wie z.B. Lichtvorhängen, eine einfache und damit zeitsparende Verifizierung der Sicherheitsfunktionen ermöglicht wird, ist bei komplexeren Problemstellungen eine klar strukturierte Vorgehensweise erforderlich, um zum Ziel zu gelangen. Fazit: Die EN ISO 13849-1 zählt zu den wichtigsten Normungsvorhaben im Bereich der Maschinensicherheit in den letzten Jahren – jeder Hersteller von Maschinen und Sicherheitsbauteilen wird spätestens ab dem 1. Januar 2010 von ihren Konsequenzen betroffen sein.
Praxisnahe Schulungen und Workshops, die die neue “Norm"alität berücksichtigen, werden den Konstrukteuren neue Anstöße liefern, um maschinen- und sicherheitstechnische Trends flexibel miteinander zu kombinieren und so international noch wettbewerbsfähiger zu werden - zumal die europäische Sicherheitsnormung nach wie vor Vorbildcharakter hat und weltweit von vielen Staaten und Regionen übernommen wird.